800px-Luftbild_Festung_Ehrenbreitstein_Ko_GNU_SchaengelKoblenz - (GDKE-RLP) Die zwischen 1817 und 1828 von den Preußen auf den Ruinen des kurtrierischen Vorläufers errichtete Festung Ehrenbreitstein ist eine gewaltige und eine sehr komplexe Anlage: Gestaffelte Mauern, Gräben, Artillerie- und Infanteriestellungen, flankierende Wehrwerke, dazu Depots, Versorgungstrakte, Unterkünfte und obendrein schlossartige Bauten mit nahezu repräsentativem Charakter.

Das alles hatten die preußischen Baumeister zu einem machtvollen „Organismus“ vernetzt, der auch unter Beschuss optimal funktionieren sollte. Dieses Netzwerk für Besucher erstmals in seiner funktionalen Gesamtheit erfassbar zu machen, ist eine der Absichten des Festungswegs Ehrenbreitstein. 

Besondere Bedeutung kommt dabei vier jetzt wiedererrichten Brücken zu: Sie reaktivieren einst vorhandene Verbindungen zwischen verschiedenen Festungstrakten. Diese Brücken auf Obergeschosshöhe komplettieren das Wegesystem zum taktisch und logistisch schlüssigen Gesamtmechanismus. Zusammen mit der Öffnung bislang unzugänglicher Festungssteile wird so die bauliche Raffinesse der preußischen Anlage in ihrem ganzen Ausmaß erst richtig deutlich. Zu den nun für Besucher erstmals zugänglichen Bereichen gehört unter anderem der Komplex „Turm Ungenannt“ und „Lange Linie“.

 

Gleich neben dem oberen Haupteingang zur Festung gelegen, startet hier der neue „Weg zur Festungsgeschichte“ mit einer museal aufbereiteten Zeitreise. In die historisch baulichen Gegebenheiten eingefügt, entfalten mehrere Ausstellungs-Abteilungen eine Chronologie der Festungsgeschichte von den Anfängen bis zur „Entfestigung“ durch die Siegermächte des 1. Weltkrieges. Ein Augenmerk gilt dabei auch der oft übersehenen historischen Zusammengehörigkeit der Festung mit der unterhalb des Felssporns am Rhein gelegenen Residenzstadt Ehrenbreitstein (heute ein Stadtteil von Koblenz).

 

Bilder und Karten
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Über Geschichte informieren und sie zugleich nachvollziehbar, erlebbar machen, das vor allem will der Rundgang. Weshalb die Präsentationen in „Turm Ungenannt“ und „Lange Linie“ der historischen Chronologie originalgetreue Szenarien des einstigen Lebens auf der Festung zu Seite stellen. Kasematten, Geschützstellungen, lange Zeit vergessene Haftzellen werden reinszeniert, vermitteln Eindrücke vom Alltag im preußischen Wehrwerk über dem Rhein.

 

Und weil es hier nicht zuletzt um Militärgeschichte geht, sprechen auf der nachfolgenden Station die Waffen. Eine eigene Abteilung verschafft anhand originaler Exponate oder Nachbauten einen Eindruck von der Entwicklung der Technik der bevorzugten Festungswaffen. Auch die Waffenschau schlägt den historischen Bogen von der wehrhaften kurtrierischen Zeit des Ehrenbreitstein zur Preußenfestung – vom legendären „Vogel Greif“, der „Prunkkanone“ des 16. Jahrhunderts, bis hin zu diversen Festungsgeschützen und der Festungsartillerie des 19. Jahrhunderts. Ergänzt wird dieser Ausstellungsbereich durch Erläuterungen zur Versorgungslogistik der Festung sowie durch eine „lebendige Werkstatt“, die als Schauraum und mit Vorführungen Einblicke ins Handwerk des damaligen Büchsenmachers gewährt. Erstmals macht der neue „Weg zur Festungsgeschichte“ auch Dachbereiche der Festung zugänglich. Das erlaubt einerseits von dort, wo einst preußische Soldaten patrouillierten, interessante Blicke in die Festung hinein und über sie hinweg.

 

Bevor der neue „Weg zur Festungsgeschichte“ seine Benutzer auf den „Oberen Schlosshof“ und zu den dortigen Erlebnisangeboten entlässt, macht er noch einen Abstecher in die jüngere Geschichte der Festung Ehrenbreitstein: Die jetzt rekonstruierte „Wohnung Suderland“ aus den 1950er-Jahren im Bereich des „Ravelin“ dokumentiert die Nutzung der Festung in der Nachkriegszeit auch als Wohnraum, etwa für ausgebombte Koblenzer.

 

Hier endet dieses Kapitel der Zeitreise, die mit neuen Präsentationen auf teils erstmals erschlossenem Terrain selbst Kennern der Festung Ehrenbreitstein so noch nicht erlebte Einblicke in die preußische Anlage und ihre lange Vorgeschichte ermöglicht. Das nächste Kapitel wird in der „Großen Traverse“ aufgeschlagen und führt tief hinab in den Untergrund der Festung.

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(Der Rundgang ist mittels Rampen und Liften barrierefrei ausgestaltet, mit Ausnahme der Wohnung Suderland aus den 1950er Jahren.)

Bidnachweis: Luftbild Ehrenbreitstein Fotograf Schaengel GNU-Lizenz